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Die unsichtbare Rechnung: Was Autofahren die Gesellschaft wirklich kostet

Verkehrsaufkommen auf einer belebten Straße in der Schweiz. Aktuelle News

Autofahrten verursachen Kosten, die an der Zapfsäule nicht ausgewiesen werden.

Autofahren ist teurer, als der Blick auf den Tacho oder den Spritverbrauch vermuten lässt. Während Versicherungen, Steuern und Werkstattrechnungen den persönlichen Geldbeutel belasten, trägt die Allgemeinheit eine „unsichtbare Rechnung“. Diese setzt sich aus Gesundheitsfolgen durch Abgase, Lärmbelastung, Unfällen, Staus und Klimaschäden zusammen.

Ein Forschungsteam um den Ökonomen Beat Hintermann von der Universität Basel hat in einer umfassenden Studie die sogenannten externen Kosten unserer täglichen Mobilität analysiert. Das Ergebnis: Pro Person und Tag belasten diese Faktoren die Gesellschaft im Schnitt mit rund 4,80 Euro. Der Löwenanteil dieser Summe geht auf das Konto des Autoverkehrs.

Die Kosten pro Kilometer im Detail

Für die Studie wurden rund 3.600 Teilnehmer zwischen 18 und 65 Jahren über mehrere Wochen mittels einer Smartphone-App begleitet. Da knapp 74 Prozent der zurückgelegten Wege mit dem Pkw absolviert wurden, liefert der Autoverkehr das aussagekräftigste Datenmaterial. Im Durchschnitt verursachte jeder Autokilometer externe Kosten von etwa 13,07 Cent pro Person.

Diese Kosten gliedern sich wie folgt auf:

  • Luftverschmutzung und Lärm: 5,73 Cent
  • Staus: 2,61 Cent
  • Klimaschäden: 2,60 Cent
  • Unfallfolgen: 2,15 Cent

Lokalbelastung schwerer als Klimaschaden

Ein überraschendes Ergebnis der Untersuchung: Die direkte Belastung vor Ort durch Feinstaub, Schadstoffe und Lärm schlägt stärker zu Buche als der reine CO2-Ausstoß. Über alle Verkehrsmittel hinweg machen Klimaschäden weniger als ein Fünftel der gesamten externen Kosten aus.

Auch beim Vergleich der Verkehrsmittel zeigen sich deutliche Unterschiede. Während der Fernzug mit 2,13 Cent pro Personenkilometer relativ effizient abschneidet, liegen die Kosten beim Bus bei 8,34 Cent. Beim Gehen hingegen stellten die Forscher sogar einen gesellschaftlichen Nutzen fest, da die gesundheitlichen Vorteile der Bewegung die geringen negativen Effekte überwiegen.

Die unsichtbare Rechnung: Was Autofahren die Gesellschaft wirklich kostet

Geld als Motor für Verhaltensänderung

Die Studie untersuchte zudem, ob Informationen über diese Kosten das Mobilitätsverhalten ändern. Das Ergebnis war ernüchternd: Reine Aufklärung hatte keinen statistisch messbaren Effekt. Erst als echtes Geld ins Spiel kam, änderte sich das Verhalten.

In einer Testgruppe, in der die verursachten externen Kosten von einem persönlichen Budget abgezogen wurden, sanken die externen Verkehrskosten kurzfristig um 4,6 Prozent. Viele Teilnehmer wichen auf Bus, Bahn, Fahrrad oder das Zufußgehen aus – oder verlegten ihre Fahrten in verkehrsärmere Zeiten.

Realistische Lösungswege

Trotz dieser Effekte bleibt die Reaktion auf höhere Preise begrenzt. Die Forscher errechneten eine kurzfristige Preiselastizität von minus 0,21. Das bedeutet: Höhere Kosten senken zwar die gefahrene Strecke, aber nur in einem gewissen Rahmen.

Eine flächendeckende GPS-Überwachung zur Abrechnung lehnen die Autoren aus Datenschutz- und Akzeptanzgründen ab. Stattdessen schlagen sie ein einfacheres System vor: eine Kombination aus Abgaben auf Klima- und Gesundheitsschäden. Um Geringverdiener nicht zu benachteiligen, halten die Forscher eine gleichmäßige Rückverteilung der Einnahmen für den sozialen Ausgleich für sinnvoll.

„Wir schätzen, dass pro Person und Jahr etwa 1.700 Euro zurückbezahlt werden könnten“, so Hintermann. Ein Modell, das bei einer gerechten Gestaltung der Verkehrswende als Hebel für ein bewussteres Mobilitätsverhalten dienen könnte.

Häufige Fragen

Was kostet der Autoverkehr die Allgemeinheit pro Person täglich?

Die externe Belastung für die Gesellschaft liegt durch die tägliche Mobilität im Schnitt bei rund 4,80 Euro pro Person.

Wie hoch sind die Kosten für Klimaschäden im Vergleich zu anderen Faktoren?

Klimaschäden machen weniger als ein Fünftel der gesamten externen Kosten aus und belasten die Gesellschaft weniger als Luftverschmutzung und Lärm.

Können finanzielle Rückzahlungen die Verkehrswende fördern?

Die Forscher schlagen eine Rückverteilung der Einnahmen vor, bei der pro Person etwa 1.700 Euro jährlich zurückgezahlt werden könnten, um soziale Härten auszugleichen.

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