Rhein-Austrocknung gefährdet Milliardenprojekt: RWE-Pipeline vor ungewisser Zukunft
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An Rheinkilometer 712,6 entsteht derzeit ein gigantisches Pumpwerk für das Wasserleitungsprojekt.
- RWE baut eine Pipeline, um ab 2030 Rheinwasser in die ehemaligen Tagebaue Hambach und Garzweiler zu leiten.
- Niedrige Rheinpegel durch den Klimawandel stellen die geplante Entnahme von 345 Millionen Kubikmetern Wasser pro Jahr infrage.
- Kritiker fordern Gebühren für die Wasserentnahme, während RWE auf ein flexibles Entnahmekonzept bei Niedrigwasser verweist.
Ob die Wasserentnahme dauerhaft möglich ist, bleibt aufgrund historischer Tiefststände umstritten. RWE setzt auf ein flexibles Konzept, das bei Niedrigwasser die Entnahme für die Seen stoppt.
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Ein deutsches Großprojekt unter dem Druck des Klimawandels
An der Baustelle bei Rheinkilometer 712,6, nahe des Bayerwerks in Dormagen, deutet derzeit wenig auf eine florierende Wasserwirtschaft hin. Statt eines mächtigen Stroms zeigt sich der Rhein mit einem ungewöhnlich breiten Strand und freiliegenden Ufersteinen. Während im Hintergrund Kräne und Bagger an einer „wasserwirtschaftlichen Anlage von einzigartiger Dimension“ arbeiten, sinken die Wasserstände des Flusses auf historische Tiefstwerte.
Das Ziel des Projekts: Ab 2030 soll Rheinwasser über 45 Kilometer nach Elsdorf gepumpt werden, um die gigantischen Tagebau-Restlöcher Hambach und Garzweiler zu fluten. Doch die aktuelle Dürre wirft fundamentale Fragen zur Machbarkeit auf.
Vom Kohleabbau zur Seenlandschaft
Nach dem Ende der Braunkohleförderung – Hambach schließt 2029, Garzweiler 2030 – hinterlässt der Bergbau riesige Krater. Jahrzehntelang wurde das Grundwasser massiv abgesenkt, um den Abbau zu ermöglichen. Um die Stabilität der Böschungen nach dem Ende der „Sümpfung“ zu gewährleisten, müssen die Gruben schnell mit Milliarden Kubikmetern Wasser gefüllt werden.
In Hambach soll ein See entstehen, der in der Tiefe (360 Meter) und Größe (35 Quadratkilometer) beinahe an den Bodensee heranreicht. Zusätzlich sollen geschützte Feuchtgebiete im Norden durch die Leitung stabilisiert werden. RWE Power AG hat dafür den Bau eines 100 Meter langen Pumpwerks initiiert, das jährlich 345 Millionen Kubikmeter Wasser aus dem Rhein entnehmen soll.
Widerspruch zwischen Planung und Realität
Die Berechnungen für die Wasserentnahme stützen sich auf historische Datenreihen von 1918 bis 2017. Kritiker wie Dirk Jansen vom BUND bezeichnen diese als überholt. Angesichts sinkender Schmelzwassermengen aus den Alpen und zunehmender Trockenphasen sei die prognostizierte Wassermenge nicht mehr realistisch.

„Der Rhein ist vielfältig gestresst“, warnt Jansen. Die Entnahme von 18.000 Litern pro Sekunde, wie sie bei Normalpegel vorgesehen ist, könne bei historischen Niedrigständen wie derzeit (13 Zentimeter am Pegel Düsseldorf) kaum noch verantwortet werden, ohne das Ökosystem des Flusses nachhaltig zu schädigen.
RWE hält an Flexibilität fest
Der Energiekonzern RWE beschwichtigt. Man habe Abflussmodelle erstellt, die den Klimawandel bereits berücksichtigen. Zudem sei ein „flexibles Entnahmekonzept“ vereinbart: Bei akutem Niedrigwasser werde die Entnahme für die Seen gestoppt, lediglich die Versorgung der schützenswerten Feuchtgebiete bliebe priorisiert bestehen.
Finanzielle Unklarheiten
Neben ökologischen Bedenken gibt es Streit um die Kosten. Der BUND verweist auf das Wasserentnahmeentgeltgesetz und fordert, dass RWE für die Entnahme zahlt. Über eine Laufzeit von 70 Jahren könnten laut Naturschützern bis zu einer Milliarde Euro an Gebühren anfallen. RWE verweist darauf, dass diese Fragen erst 2030 im behördlichen Verfahren geklärt würden.
Für Anwohner wie Peter Grams bleibt ein Gefühl der Skepsis. Während die Lkws im Minutentakt über den Deich rollen, bleibt die zentrale Frage unbeantwortet: Kann der Rhein, dessen Wasserstand immer häufiger zur Existenzfrage wird, die Anforderungen der Energiewende dauerhaft erfüllen?
Häufige Fragen
Wozu dient die neue Rhein-Pipeline?
Die Pipeline soll ab 2030 Wasser aus dem Rhein in die Tagebau-Restlöcher Hambach und Garzweiler pumpen, um diese zu fluten.
Wie viel Wasser soll aus dem Rhein entnommen werden?
Das geplante Pumpwerk soll jährlich 345 Millionen Kubikmeter Wasser aus dem Rhein entnehmen.
Gibt es bereits Regelungen für Trockenphasen?
RWE hat ein flexibles Entnahmekonzept vereinbart, bei dem die Wasserentnahme für die Seen bei akutem Niedrigwasser gestoppt wird.
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